«Sudan»
2016

Die Arbeit «Sudan» (2016) ist eine künstlerische Kontemplation über die Ambivalenz menschlicher Macht über andere Lebensformen. Im Zentrum steht Sudan, das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn. Sein Schicksal zeigt die Gleichzeitigkeit von Ausbeutung und Fürsorge: Während seine Art durch menschliches Handeln an den Rand der Auslöschung gebracht wurde, wird ihr Fortbestehen mit großem Aufwand versucht zu sichern.

Sudan wurde 1973 im heutigen Südsudan in freier Wildbahn geboren, in den 1970er Jahren eingefangen und in einen europäischen Zoo gebracht. Jahrzehnte später wurde er in die Ol Pejeta Conservancy überführt, um unter menschlicher Aufsicht zur Fortpflanzung beizutragen. Dort wurde er rund um die Uhr von bewaffneten Rangern geschützt, und wiederholt wurde versucht, ihn mit den wenigen verbliebenen Weibchen zu paaren – alle Versuche blieben erfolglos.

Mit Sudans Tod (2018) verlagert sich diese Ambivalenz in den technologischen Raum: Die Rettung der Spezies wird seither im Labor mittels künstlicher Befruchtung fortgeführt.

«Sudan» I-IV, 2016, Serie von Monotypien, Linolfarbe auf Papier, 400 x 300 mm

 





© Viviane Koller